Bewerbungsabsage - und nun?

 

Wer sich schon einmal bei verschiedenen Unternehmen beworben hat, kennt es: Mitunter bekommt man gar keine Rückmeldung oder man liest in den Rückmeldungen Standardfloskeln wie: „Wir haben die Stelle leider anderweitig besetzt.“ Woran genau es gelegen hat, was man hätte anders oder besser machen können – es wird ein ewiges Rätsel bleiben. Isabella Supper ist Jugendcoach beim BIFO und macht im Interview deutlich, wie demotivierend solche Antworten für Jugendliche sind und dass sich daraus ein langwieriger Bewerbungsmarathon entwickeln kann, der viel Energie und Zeit frisst.

 

Isabella, du arbeitest täglich mit den unterschiedlichsten Jugendlichen zusammen und weißt genau, was sie umtreibt und beschäftigt: Mit welchen Fragen und Problemen wirst du am häufigsten konfrontiert? 

Die Jugendlichen kommen mit ganz unterschiedlichen Fragestellungen. Die Ausbildungsmöglichkeiten in Vorarlberg sind vielfältig und da kann es ganz schön fordernd sein, einen Durchblick zu bekommen. Es geht oft um Fragen der Orientierung. Was kann ich alles für Berufe lernen? Welche Ausbildungen gib es? Wie bewerbe ich mich? Wie mache ich einen Schnuppertag aus? Wie kann ich herausfinden, welche Berufe zu mir passen?  Usw.

 

Ganz oft ist es deine Aufgabe mit den Jugendlichen gemeinsam Bewerbungen zu verfassen und sie bei der Suche nach einer Lehrstelle zu unterstützen. Welche Schwierigkeiten treten dabei auf?

Die Schwierigkeiten haben ihren Ursprung auf unterschiedlichen Ebenen. Es kommt immer wieder vor, dass Jugendliche keinen Computer haben. Da fehlt es dann an den materiellen Ressourcen, um Bewerbungsunterlagen zu erstellen.

Beim Erstellen der Unterlagen kommt oft zum Vorschein, dass Jugendliche ihre Stärken und Fähigkeiten nicht benennen können. Es ist zuerst eine Spurensuche erforderlich, damit sie begreifen, welche Potenziale in ihnen stecken.

Manchmal stimmen die Berufsbilder der Jugendlichen nicht mit der Realität überein. In der Beratung regen wir daher an, sich intensiver mit dem vermeintlichen Traumberuf zu beschäftigen und die Möglichkeit von Schnuppertagen zu nützen.

 

Was würde dir als Jugendcoach in der Arbeit mit den Bewerberinnen und Bewerbern helfen? Was wünscht du dir von den Unternehmen?

Jugendliche haben unglaublich viel zu leisten: Identitätsfindung, Auseinandersetzung mit körperlichen Veränderungen, Ablösung vom Elternhaus, möglicherweise Veränderungskrisen durchstehen usw.  Die Meinung der Eltern ist möglicherweise in dieser Lebensphase nicht die leichteste, die anzunehmen ist. Umso wichtiger ist es in der Beratung, den Jugendlichen Reflexionsräume zu erschließen. Nachbesprechung von Schnuppertagen oder anderen beruflichen Erfahrungen sind Teil davon. Manche Jugendlichen erleben sich zum ersten Mal in der Berufswelt und haben noch keine Idee davon, wie sie ihre Persönlichkeit in dieser einbringen können, wie ihre Fähigkeiten darin Platz finden oder an was sie vielleicht noch arbeiten müssen.
Aus meiner Erfahrung hilft es jungen Menschen sehr, wenn sie ehrliche und wertschätzende Rückmeldungen bekommen. Nur so können sie zu einem möglichst realistischen Selbstbild gelangen.
Ich ermutige daher Unternehmen nach Schnuppertagen den Jugendlichen wertschätzend ihre Wahrnehmung zu schildern und ihnen rückzumelden, was sie gut gemacht haben und wo sie noch Entwicklungsbedarf sehen.

Das gleiche gilt bei Rückmeldungen auf Bewerbungsschreiben. Manchmal kommt gar keine Rückmeldung, was viele Jugendliche so interpretieren, dass die Bewerbung noch in Arbeit ist. Das hält manche davon ab weitere Bewerbungen zu schreiben, weil es ihnen unangenehm wäre, der Firma dann absagen zu müssen. Das verzögert den Bewerbungsprozess enorm!

Dann gibt es Rückmeldungen, die nicht aussagekräftig sind und aus denen nicht hervorgeht, warum genau der/die Bewerber/in abgelehnt wurde. Ich würde mir wünschen, dass auch bei schriftlichen Bewerbungen kurz erläutert wird, welche Gründe ausschlaggebend waren. Waren es die Zeugnisnoten? Oder das Auftreten beim Schnuppern? Oder etwas ganz anderes? Wenn die Gründe bekannt sind, können diese gemeinsam reflektiert und berücksichtigt werden. Dies könnte dazu beitragen, dass sich der/die Jugendliche für andere Ausbildungen öffnet und nicht mehr so fixiert ist auf einen einzigen Beruf, der vielleicht gar nicht seinen/ihren Fähigkeiten entspricht.

 

Welche positiven Beispiele fallen dir ein, bei denen Unternehmen eine wertvolle Rückmeldung gegeben haben?

Da fällt mir eine Rückmeldung einer Unternehmerin ein, die der Jugendlichen nach einem Schnupperpraktikum zurückgemeldet hat, dass aus ihrer Sicht die Deutschkenntnisse noch zu wenig ausreichend sind für den angestrebten Beruf, sie aber viel Potenzial in ihr sehe, weil sie sich sehr aufmerksam und hilfsbereit gezeigt habe. Das spornte die Jugendliche dann an, noch einen weiteren Deutschkurs zu machen. Und eine Kollegin hat mir von einem Jugendlichen berichtet, der sich für technische Berufe interessierte und in verschiedene Firmen hinein schnupperte. Er bekam die Rückmeldung, dass er seine Fähigkeiten in einer anderen Branche besser einbringen könnte, weil kein technisches Verständnis und handwerkliches Geschick erkennbar seien. Der Jugendliche wurde dank dieser Aussage offen, sich auch noch andere Berufe anzuschauen.

 

Fotocredit: Ghaith Harstany/unsplash